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Unterschiedliche Welten Fußballprojekt versucht, Berührungsängste unter Jugendlichen abzubauen
Von Michael Nittel Reinickendorf. Taner Avci von Gangway e.V., einem Verein für Straßenarbeit in Berlin, blickte immer wieder zur Uhr. Der Streetworker wartete auf seine Spieler – zehn junge Männer im Alter von 16 bis 22 Jahren aus der Rollberge-Siedlung in Waidmannslust. Sie bilden eines von fünf Teams in der so genannten Liga-Reinickendorf, ein vom Bezirksamt gefördertes Jugendprojekt, das seit September läuft. Neben Gangway nehmen noch die Freizeitstätte Dachsbau Heiligensee, das Kinder- und Jugendcafe Streethouse (Märkisches Viertel), das Jugendzentrum BDP-Luke (Reinickendorf Ost) und die Freizeitstätte Brücke (Reinickendorf West) an diesem Projekt teil. „Wir wollen mit dieser Liga in erster Linie Berührungsängste und Vorurteile unter den Jugendlichen aus den unterschiedlichsten Sozialräumen abbauen“, so der 35-jährige Avci, der zusammen mit Magnus Wolter vom Jugendzentrum BDP-Luke die Idee für dieses Projekt hatte. Vorbild ist die Gangway-Liga, in der Teams aus zehn Berliner Bezirken gegeneinander antreten. Dieses Sportprojekt wurde 2006 als bestes seiner Art ausgezeichnet. Der letztjährige Titelträger kommt zudem aus Reinickendorf. „Wenn in der Vergangenheit Jugendliche aus diversen Einrichtungen ein Fußballturnier gespielt haben, hat einer gewonnen – und die Verlierer sind sofort und total genervt nach Hause gefahren. Es fand überhaupt kein Kontakt untereinander statt. Und das wollten wir ändern“, so Avci, der den Fußball in diesem Zusammenhang nur als Mittel zum Zweck betrachtet. Die Jugendlichen laufen vor den Spielen gemeinsam durch den Kiez, um so die Heimat des jeweils Anderen und vielleicht den Anderen selbst kennen zu lernen. Man besucht die Einrichtung des Gastgebers, spielt Billard, kocht zusammen oder geht gemeinsam Essen. „Wir arbeiten hier nicht nach Vereinsregeln. Wir möchten den Jugendlichen ermöglichen, völlig frei zu entscheiden, ob sie zu unserem Fußballangebot kommen oder nicht.“ Was aber nicht bedeutet, dass es keine Regeln gibt: „Wir haben sie zu Saisonbeginn mit allen Teams gemeinsam festgelegt – jeder Einzelne musste unterschreiben. Ein gewaltfreies Umgehen miteinander und absolutes Fairplay sind nur zwei davon.“ Man wolle den Jugendlichen mit diesem Projekt interkulturelle Kompetenzen, Respekt, Kontinuität und eine Disziplin vermitteln, die man ihnen nicht vorsetzt oder überstülpt, sondern die aus ihnen selbst kommen soll. „Die sozialen Unterschiede in Reinickendorf sind leider oft sehr groß – zwischen einzelnen Sozialräumen liegen Welten“, betonte Avci, der seit rund zehn Jahren im Bezirk arbeitet. „Deshalb freuen wir uns über jeden weiteren Teilnehmer an unserer Liga – egal, woher er kommen mag. Aber letztlich ist und bleibt für uns die Qualität und nicht die Quantität ausschlaggebend.“ Für das nächste Jahr haben bereits drei weitere Jugendeinrichtungen ihre Teilnahme an der Liga fest zugesagt. „Das hier sind alles Leute, die unsere Zukunft bestimmen werden. Und die lassen wir nicht einfach auf der Strecke“, so Avci als irgendwann alle Spieler von Gangway eingetroffen waren. Dann brachen die Jugendlichen auf, um den Gegner von der Freizeitstätte Brücke an der S-Bahnstation Waidmannslust zu empfangen und gemeinsam den Abend zu verbringen. Fußball haben sie dann übrigens auch noch gespielt: Gangway gewann mit 15:8 – doch das nur am Rande. |