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Von L.A. in den Fuchsbau

Krumping-Legende begeistert Reinickendorfer Jugendliche

 

Von Michael Nittel

Reinickendorf Ost. Eine Gruppe von rund 25 jungen Menschen kommt regelmäßig im Fuchsbau – Haus der Jugend zusammen, um sich einer ganz speziellen Leidenschaft hinzugeben: dem Tanz – genauer gesagt: dem Krumping.

Und jetzt war die Freude unter ihnen riesig, als der Erfinder dieses Tanzstils, Ceasare' L. Willis, bekannt als Tight Eyez, nach Reinickendorf gekommen war, um mit seinem Schüler B-Dash in einem Workshop den Jugendlichen die Grundlagen dieses Tanzstils näher zu bringen.

„Für die jungen Menschen hier ist das ein fantastischer Tag und ein großer Moment, ihrem Idol begegnen zu dürfen“, erläuterte Kwame Osei. Der gebürtige Oberhausener hatte dafür gesorgt, dass die beiden Amerikaner aus ihrer Heimat Los Angeles nach Europa gekommen waren, um in einer Hand voll Workshops die Gemeinde der Krumping-Anhänger zu beglücken.
Krumping ist ein sehr schneller, expressiver Freestyle-Tanz, der sich im Wesentlichen aus dem Stampfen der Füße, dem Schwingen der Arme und des blitzartigen Hochschnellens der Brust zusammensetzt. „Mit diesem Tanz sollen in erster Linie Aggressionen abgebaut werden“, erklärte Osei. „Und das klappt prima, weil diese
Bewegungen unheimlich anstrengend sind.“ Darüber hinaus versuchen die Tänzer, keine Show abzuliefern, sondern tanzen sich vielmehr in einen emotionalen Zustand: „Dieser Tanz verändert die Menschen. Jede Bewegung ist Teil eines persönlichen Gefühls, des Alltags, einer Geschichte, die erzählt werden will.“
Die Reinickendorfer Gruppe ist bunt gemischt: sie besteht aus den verschiedensten Kulturen, Menschen mit unterschiedlicher Hautfarbe und Herkunft. Sie besteht zwar überwiegend aus jungen Männern, aber auch aus einer Hand voll jungen Frauen. „Toll, oder“, freute sich Osei. „Diese Menschen würden im normalen Leben in dieser Konstellation niemals aufeinandertreffen.“
Im Jahr 2002 hatten Ceasare' L. Willis und sein Freund
Christopher Toler genug davon, für andere mit ihrem Tanz den Entertainer zu spielen. Sie sehnten sich nach mehr und erfanden kurzerhand das Krumpen. Die Bezeichnung „Krumping“ ist ein Kunstbegriff: „Wir brauchten ein Wort, das ausdrückt, was wir tun. Es bedeutet, dass man irgendwie durchgeknallt ist, aufgedreht und gleichzeitig voll Energie“, erläuterte Willis.

Letztlich ist Krumping nicht mehr, aber auch nicht weniger als eine Möglichkeit, junge Menschen zu unterhalten und sie zusammenzuführen. Kwame Osei abschließend: „Sich mit etwas Gutem beschäftigen und nicht den ganzen Tag auf der Straße abhängen – das ist Krumping. Dieser Tanz bietet den jungen Menschen, ihren ganzen Frust des Alltags loszuwerden und sich völlig zu verausgaben. Wenn dieser Workshop zu Ende ist, wird keiner von ihnen mehr die Kraft haben, auch nur auf eine einzige dumme Idee zu kommen.“