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„Ich denke zu viel nach – das ist nicht gut“ Das 21. Berliner Marathon-Schießen erforderte Konzentration und jede Menge Ausdauer
Von Michael Nittel Frohnau. Acht Tage lang demonstrierten rund 500 Schützen aus der ganzen Republik beim 21. Berliner Marathon-Schießen der Nord-Berliner Schützen-Gemeinschaft (NBSG) ihre Fähigkeiten. Einer von ihnen: Uwe Potteck, Olympiasieger mit der Luftpistole in München 1972. Vier norwegische Teilnehmer verliehen der Veranstaltung ein internationales Flair. Im zwischen 1969 und 1975 zum Teil aus Restbeständen des ehemaligen Sportpalastes erbauten Schützenhaus der NBSG wurden am Sonnabend in neun Disziplinen und jeweils elf Altersklassen insgesamt 99 Sieger gekürt. In den meisten Wettbewerben mussten 100 Schuss in zweieinhalb Stunden abgegeben werden. Das bestmögliche Ergebnis, 1.000 Ringe, wurde allerdings noch nie erreicht. Doch in diesem Jahr fiel zumindest ein neuer Rekord: Peter Herdel von der BSG Bergrheinfeld schaffte mit dem Luftgewehr – Auflage 999 Ringe. Und nicht nur ihm verlangte das Schießen alles ab. „Man muss hochkonzentriert sein, um diesen Wettkampf durchzustehen“, so Wolf-Dieter Goy, Sportleiter der NBSG. „Und wenn man richtig gut trainiert ist, sollte auch die Kraft reichen. Sonst kommt es schon mal vor, dass nach einiger Zeit die Hand zu zittern beginnt oder der Schütze den Arm gar nicht mehr hoch bekommt.“ Diese Voraussetzungen beweisen: Schießen ist ein Sport. Aber: kein typischer Männersport. Immerhin waren rund zehn Prozent der Teilnehmer Mädchen und Frauen. Eine von ihnen: Meta Duchert von der Lübzer Schützengilde 1650, die mit einer 1.000 Gramm schweren Luftpistole – Freihand antrat. Ihr Ergebnis: 883 Ringe. „Im Training bin ich immer besser als im Wettkampf“, ärgerte sich die 18-jährige Mecklenburgerin. „Ich denke zuviel nach – das ist nicht gut. Ein schlechter Schuss – und den bekomme ich dann einfach nicht mehr aus dem Kopf.“ Und genau das ist die Kunst des Schießens: „Der Schütze entscheidet den Moment. Er drückt ab, wenn alle Bewegungsabläufe passen, der Atem ruhig ist, die Konzentration hoch. Und dann weiß er: Das muss eine Zehn sein“, sagte Goy im Flüsterton und erntete prompt einige böse Blicke. „Ruhe ist schon wichtig. Aber: Wir sind hier auf einem Schießstand und nicht in der Kirche.“ Seit 22 Jahren veranstaltet die NBSG das Marathon-Schießen. Und die meisten der Teilnehmer kommen immer wieder: So wird auch der in diesem Jahr älteste, der 81-jährige Georg Grötzner, 2007 vermutlich wieder mit dabei und wieder ältester Teilnehmer sein. Zu wünschen wäre es ihm. Und vielleicht schafft dann auch mal jemand die 1.000 Ringe. |














