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„Jeder Schuss ist anders“ Das Marathon-Schießen in Frohnau begeisterte auch einen Olympiasieger
Von Michael Nittel Frohnau. Das 22. Marathon-Schießen der Nord-Berliner Schützengemeinschaft (NBSG), das am Sonnabend nach acht Tagen zu Ende ging, lockte auch in diesem Jahr wieder Sportschützen aus der ganzen Republik und dem Ausland nach Frohnau. Insgesamt bewiesen 489 Athleten in etlichen Wettkampfklassen und diversen Disziplinen, vom Luftgewehr über die Luftpistole bis zum Kleinkaliber, ihre Nervenstärke und ein mehr oder weniger ruhiges Händchen. „Die Ergebnisse sind zufriedenstellend bis sehr gut“, zeigte sich Wolf-Dieter Goy, sportlicher Leiter der NBSG, zufrieden. „Zwar hatten wir etwas weniger Teilnehmer als im Vorjahr – allerdings in einem Bereich, in dem wir uns keine Sorgen über die Zukunft des Marathon-Schießens machen müssen.“ Sportschützen im Alter von 16 bis 63 Jahren traten im Schützenhaus an der Senheimer Straße an. Für die Farbtupfer sorgten alte Bekannte: Eine Gruppe Norwegischer Schützen aus Baerum und Gudbrandsdal war ebenso wieder mit dabei wie Uwe Potteck, Olympiasieger in Montreal 1976 mit der Freien Pistole – zudem mehrfacher Europa- und Weltmeister. „Ich komme gern nach Frohnau. Und ich bin hier, um zu Gewinnen.“ Dieses Vorhaben gelang dem 52-Jährigen vom Schützen-Club Spandau: In der Kombiwertung Kleinkaliber-Sportpistole und Luftpistole setzte er sich mit 1913 Ringen deutlich vor der Konkurrenz durch. Die herausragende Leistung in diesem Jahr aber lieferte eine Frau: Jana Rossow von der Altstädtischen Schützen-Gemeinschaft Brandenburg erzielte mit dem Luftgewehr 990 von möglichen 1000 Ringen. Zudem gewann sie die Kombiwertung Kleinkaliber-liegend und Luftgewehr mit 1966 Ringen. Das beste Ergebnis für den Veranstalter erzielte Nikolai Venger mit 995 Ringen im Kleinkaliber-liegend. Er landete mit insgesamt 1944 Ringen in der Kombination auf Rang drei. Das Besondere an dieser Veranstaltung war wieder einmal der Modus: 100 Schuss mussten in 150 Minuten abgegeben werden – Jugendliche hatten für 80 Schuss zwei Stunden Zeit. „Das ist eine enorme psychische und konditionelle Belastung. Hier muss man sehr konzentriert arbeiten, um konstant gute Leistungen vom ersten bis zum letzten Schuss zu bringen“, so Olympiasieger Potteck zur Faszination des Marathon-Schießens. „Außerdem trifft man hier alte Bekannte und Weggefährten. Und wir haben eine Menge Spaß zusammen.“ Die besondere Faszination des Schießens im Allgemeinen ist für Potteck aber eine andere: „Jeder Schuss ist anders und deshalb stets eine neue Herausforderung. Ich bin mit 21 Jahren Olympiasieger geworden. Hätte das Schießen nicht diese Faszination für mich, hätte ich damals aufhören können.“ Und abschließend brach Potteck – nicht zuletzt aufgrund jüngster politischer Diskussionen – noch eine Lanze für die Sportschützen: „Sportschießen hat zu Unrecht ein negatives Image. Zunächst einmal ist es statistisch bewiesen, dass fast alle Waffen, mit denen Verbrechen begangen werden, illegal sind. Darüber hinaus sind die Vereine bestrebt, unserem Nachwuchs einen disziplinierten und verantwortungsbewussten Umgang mit der Waffe zu vermitteln. Letztlich ist sie aber nichts weiter als unser Sportgerät. Und das, was wir hier machen, ist unsere Leidenschaft, ist unser Sport.“
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