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Erst die Arbeit, dann das Vergnügen Ein besonderes Fußballprojekt geht mit prominenter Unterstützung ins fünfte Jahr
Von Michael Nittel Berlin. Am Sonnabend, den 28. Mai, geht das Präventionsprojekt „Junger Fußball in Berlin – keine Drogen, keine Gewalt“ mit einem Streetsoccer-Turnier für die Bezirke Lichtenberg, Marzahn und Hellersdorf in sein fünftes Jahr. Und das ist keine Selbstverständlichkeit. Denn noch Ende letzten Jahres stand das vom Tannenhof Berlin-Brandenburg e.V. initiierte Projekt vor dem Aus. „Natürlich sind wir glücklich, dass es nun doch weitergeht“ freut sich Organisator Boris Knoblich. Bis dato sind drei Turniere in 2011 finanziert. Am 28. Mai wird in der Jugend- und Freizeiteinrichtung „Anna Landsberger“, Prötzeler Ring 13, gekickt, bevor es am 18. Juni im Kreuzberger Jugendclub „Drehpunkt“, Urbanstraße 48, weitergeht. Ein Ort für das Turnier am 3. September steht noch nicht fest. Der Tannenhof, seit 1979 vorrangig in der Suchtprävention und –hilfe für Kinder und Jugendliche tätig, veranstaltet seine Turniere in Jugend- und Freizeiteinrichtungen. Dort können sich Mädchen und Jungen im Alter von 12 bis 15 Jahren zusammenschließen, um mitzumachen. Das Besondere an dem Projekt: Dem Fußballturnier ist ein Workshop vorangestellt. In kleinen Gruppen besprechen jeweils zwei Fairplay-Trainer mit den Jugendlichen Themen wie Gewalt auf dem Fußballplatz, Respekt vor dem Gegner, die Bedeutung von Fairplay sowie Konsum und Missbrauch von Alkohol. Im Anschluss wird gekickt. Die Teilnehmer haben dann sogleich die Möglichkeit, das Erlernte umzusetzen bzw. ihren Aussagen Taten folgen zu lassen. Die fairsten und die besten Spieler werden zu einem Sichtungstraining bei Hertha BSC Berlin eingeladen. „Rund 70 Prozent unserer Teilnehmer haben einen Migrationshintergrund“, skizziert Knoblich. Auch das war ein Grund mit Malik Fathi, Bundesliga-Profi beim FSV Mainz 05, einen prominenten Schirmherren und Unterstützer zu finden, der in Berlin groß geworden ist, einen Migrationshintergrund hat und für viele Kinder Vorbild ist. „Ich persönlich hatte eine glückliche Kindheit. Aber ich habe mit vielen Ausländern aus so genannten Problembezirken zusammengespielt und somit auch die Schwierigkeiten dort mitbekommen. Sport fördert den Teamgeist. Und man hat nicht viel Zeit, Dummheiten zu machen“, begründet der 27-Jährige sein Engagement. Und er geht mit gutem Beispiel voran. „Ein komplettes Turnier hat er selbst gesponsert“, erklärt Knoblich, dessen Arbeit zu großen Teilen darin besteht, Jahr für Jahr Sponsoren und Förderer zu akquirieren, um den Fortbestand von „Junger Fußball“ zu sichern. „Das Projekt spiegelt meine Interessen wider. Und es beinhaltet eine Menge Aspekte wie Drogenprävention, Anti-Gewalt-Arbeit, die im Sport und im Leben wichtig sind, die mir auch ganz persönlich wichtig sind“, ergänzte Fathi. Insgesamt arbeiteten bislang knapp 20 Fairplay-Trainer mit dem unterschiedlichsten Hintergrund für das Projekt: Streetworker, Sozialpädagogen, Sportinteressierte, aber auch Menschen, die selbst einmal mit Suchtproblemen konfrontiert waren. „Zurzeit haben wir lediglich acht bis zehn. Gute Fairplay-Trainer, die mit den Jugendlichen in einen Dialog treten können, sind wichtig und werden von uns stets benötigt“, betont Knoblich. Und abschließend formuliert er einen Wunsch für die Zukunft: „Wir waren noch nie in Spandau oder im Märkischen Viertel. Wenn wir es schaffen würden, in 2013 sechs Turniere zu veranstalten – im Norden, Süden, Osten und Westen sowie jeweils eines in den großen Bezirken Reinickendorf und Spandau – dann hätten wir mit diesem Projekt viel erreicht.“ Knoblich schätzt, dass dafür 25.000 bis 30.000 Euro und eine Hand voll weiterer Fairplay-Trainer nötig wären. Das Projekt und die Menschen, die darin arbeiten, hätten es verdient: „Wir wollen in den Kiezen etwas ins Rollen bringen. Natürlich werden wir mit einem Aktionstag allein nicht die Jugendgewalt abschaffen. Aber ich hoffe, dass den Kindern, die bei uns waren, beim nächsten Ärger oder Streit nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch auf der Straße vielleicht der Gedanke kommt: Ich muss nicht zuhauen. Das lässt sich auch anders lösen.“ Weitere Informationen zum Projekt erhalten Interessierte unter www.tannenhof.de. |