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Aderlass in Hermsdorf

Handballer verlieren Spieler an die Füchse

 

Von Michael Nittel

Hermsdorf. Nach der dritten deutlichen Niederlage im dritten Spiel der Saison und mittlerweile 112 Gegentoren war man im Lager der B-Junioren der SG Hermsdorf-Waidmannslust einfach nur noch sprach- und fassungslos. Mit dem letzten Aufgebot waren die Nordberliner nach Wilmersdorf gereist, um sich dort beim Berliner SV eine 16:39-Klatsche abzuholen.

Trainer Erich Richter wollte eigentlich gar nichts sagen, schüttelte entschuldigend mit dem Kopf, bevor ihm dann doch noch ein paar Worte über die Lippen kamen: „Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. So haben meine Jungs und auch ich keinen Spaß am Handball.“ Das Problem: Speziell in den oberen Altersklassen verlor die SG zuletzt einige Spieler an die SG Spandau/Füchse. Richter zog für sich mittlerweile die Reißleine – der neue Coach der B-Junioren heißt Lutz Powrack, der schon einmal Trainer bei der SG gewesen war und damals schon gute Arbeit geleistet hatte.

Antje Bottke, Jugendwartin bei der SG, relativierte umgehend: „Zunächst einmal ist wichtig zu erwähnen, dass die Spieler nicht abgeworben, sondern freiwillig zu den Füchsen gegangen sind.“ Darüber hinaus dementierte sie Gerüchte, dass das B- und das A-Junioren-Team der Nordberliner aus der jeweiligen Liga zurückgezogen werden. „Beide Mannschaften werden die Saison in der Oberliga weiterspielen und auch beenden.“

Zudem gebe es einen Kooperationsvertrag mit den Füchsen, so dass der Wechsel von talentierten und bei der SG Hermsdorf-Waidmannslust – bei der stets sehr viel Wert auf eine qualitativ hochwertige Nachwuchsarbeit gelegt wird – gut ausgebildeten Spielern zum Nachbarn mittlerweile, so die Jugendwartin, in geregelten Bahnen verlaufe. „Natürlich ist unsere geographische Nähe zu den Füchsen problematisch, weil viele Eltern denken, dass, wenn sie ihr Kind zu den Füchsen geben, es automatisch eine große Karriere macht. Aber dieses Problem haben auch andere Klubs in anderen Sportarten.“ Bei der SG sieht man den Erfolg der Füchse und die Kooperation vielmehr positiv: „Es nützt doch überhaupt nichts, wenn sich die ganzen guten Spieler bereits in der E-Jugend in einem Verein konzentrieren und sie dann quasi keine Gegner mehr haben.“ Deshalb würde sich das derzeitige Modell in Berlin allmählich etablieren: „Wir versuchen die jungen Menschen so gut es geht auszubilden. Und wenn sich dann heraus kristallisiert, dass ein Spieler talentiert ist, dann muss er auch zum besten Verein gehen, weil dort ganz andere Möglichkeiten herrschen, sein Talent auch entsprechend weiter zu fördern.“