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„Wer keinen Respekt hat, muss ihn lernen oder gehen“ In der Judoabteilung des TSV Guts-Muths lernen Kinder mehr als nur ihren Sport
Von Michael Nittel
Moabit. Viele Sportvereine in Berlin klagen über Probleme im Nachwuchsbereich. Eine der ganz wenigen Sportarten, die sich nach wie vor größter Beliebtheit erfreuen, ist hingegen das Judo. Auch beim TSV Guts-Muths kann und will man sich über mangelnden Nachwuchs nicht beklagen: Weit über 100 der rund 170 Mitglieder der Judoabteilung sind Kinder und Jugendliche. „Wir freuen uns sehr, dass diese Sportart nach wie vor von so vielen Mädchen und Jungen mit so viel Begeisterung betrieben wird“, erklärte Abteilungsleiter Dr. Torsten Kachel. Auch das Verhältnis von Mädchen und Jungen sei in Ordnung: Rund 25 Prozent aller Nachwuchs-Judoka beim TSV sind Mädchen. Zwar ließe die Begeisterung mit einsetzender Pubertät auch schon mal nach – doch davon können auch alle anderen Sportarten ein Lied singen. Doch warum ist speziell Judo bei Kindern so beliebt? „Ich persönlich denke, dass unser Sport eine gute Ganzkörperschule ist: Ich brauche nicht nur starke Hände, starke Arme oder einen starken Rücken. Eine Komponente genügt nicht, um wirklich gut zu sein.“ Judoka sollten zu gleichen Teilen über Kraft, Kondition, Koordination und Technik verfügen. Zudem sei Judo ist eine sehr zivilisierte Kampfsportart, bei der der Respekt vor den Kameraden, aber auch vor dem Gegner eine Grundvoraussetzung ist. „Wer keinen Respekt hat, muss ihn lernen oder gehen.“ Ohnehin sei das soziale Niveau unter Judoka und auch in der Abteilung beim TSV sehr hoch. Darüber hinaus habe der Judosport bei Kinderärzten ganz offenbar eine herausragende Stellung: Immer häufiger werden hyperaktive Kinder an die Vereine empfohlen. „Wir freuen uns natürlich darüber, dass der Judosport bei Ärzten einen guten Ruf zu haben scheint. Aber es ist ein Irrglaube, dass nur Kinder mit ADS bei uns gut aufgehoben sind.“ Natürlich sei dieser Sport ideal, damit sich überdrehte Kinder austobten und diszipliniert würden. Aber auch für schüchterne Heranwachsende sei Judo sehr geeignet, weil sie ihr Selbstbewusstsein stärken könnten. „Sie lernen bei uns, sich auch mal zu trauen, richtig zuzupacken.“ Zwar sei beim Judo zum Schutz der Kämpfenden nicht alles erlaubt. „Aber die Dinge, die erlaubt sind, muss man auch mit dem vollsten Einsatz und Engagement betreiben, um zum Erfolg zu kommen“, erläuterte Kachel, der diesen Sport seit rund 35 Jahren betreibt und von einem Aspekt besonders fasziniert ist: „Beim Judo kann man nichts auf die Mannschaftskameraden abwälzen. Es liegt alles immer an einem selbst: Entweder Du legst Deinen Gegner auf die Matte – oder er Dich.“ Beim TSV Guts Muths hat man sich in den knapp 20 Jahren seit Gründung der Judoabteilung dem Breitensport verschrieben. „Natürlich haben wir in dieser Zeit auch zahlreiche Berliner Meisterschaften errungen und im Nachwuchsbereich an Deutschen Titelkämpfen teilgenommen. Aber: Bei uns stehen der Spaß und das Miteinander eindeutig im Vordergrund.“ Natürlich könnte man es – wie in jeder Individualsportart – durch Trainingsfleiß zu etwas bringen. Aber: „Judo ist und bleibt ein Zweikampf. Ich kann immer nur so gut werden wie meine Trainingspartner.“ Die Judoka des TSV gehen an vier Tagen in der Woche im Sportzentrum Moabit in der Wullenweberstraße ihrer Passion nach und sind für neue Mitglieder aller Altersgruppen stets offen. Besondere Voraussetzungen seien nicht erforderlich. „Die Kinder sollten aber schon in der Lage sein, den Anweisungen ihrer Trainer zu folgen.“ Für die ganz Kleinen unter 5 bis 6 Jahren bietet der TSV in seinen Sport-Spiel-Spaß-Gruppen eine sportliche Allround-Ausbildung an. Nähere Informationen erhalten Interessierte bei Dr. Torsten Kachel unter 0170 – 931 59 07 oder in der Geschäftsstelle des TSV unter 030 – 393 24 40. |






