Freier Journalist

„Lasst uns einfach nur Fußball spielen“

Nordberliner SC nach juristischem Tauziehen endlich in Berlin-Liga angekommen

 

Von Michael Nittel

Heiligensee. Der Nordberliner SC ist mit einer unglücklichen wie unnötigen Niederlage in die neue Fußball-Saison der Berlin-Liga gestartet: Der Aufsteiger aus Heiligensee unterlag in einem packenden Duell Eintracht Mahlsdorf mit 0:1 (0:0). „So kurz nach dem Spiel bin ich schon sehr enttäuscht“, analysierte Trainer Holger Kraft. „Wir waren über weite Strecken die Spiel bestimmende Mannschaft. Ich habe bestimmt zwei DIN A4-Seiten mit unseren ungenutzten Torchancen gefüllt. Aber wie heißt es immer so schön: Wer seine Möglichkeiten nicht nutzt, wird irgendwann dafür bestraft.“

Doch nur wenige Minuten später war Kraft auf die Leistung seines jungen Teams einfach nur noch stolz: „Mahlsdorf wird in der Liga als Geheimfavorit gehandelt. Und wir haben gegen sie trotzdem gezeigt, dass wir einen tollen Offensivfußball spielen und für diese Liga eine Bereicherung sein können.“

Das Saisonziel des Teams vom Elchdamm ist natürlich zunächst der Klassenerhalt. Aber: „Wer mich kennt, der weiß, dass ich jedes Spiel gewinnen will.“ Deshalb sei es nicht unrealistisch, mit dem Team einen einstelligen Tabellenplatz anzustreben. Mittelfristig sei sogar noch mehr drin, so der ehemalige A-Jugend-Coach des Klubs, der nach wie vor gern mit jungen Leuten zusammenarbeitet: Von 25 Akteuren seines Kaders kommen 21 aus der eigenen Jugend. „Das macht uns natürlich sehr stolz, weil es zeigt, dass wir eine fantastische Nachwuchsarbeit leisten. Und es beweist, dass es für die Spieler, die überwiegend aus der Gegend stammen, etwas Besonderes ist, unser Trikot zu tragen“ freute sich auch der erste Vorsitzende Willi Both.

Allerdings war die Vorbereitung der Nordberliner alles andere als ruhig. Wochenlang gab es um den Aufstieg ein juristisches Tauziehen. Die Ereignisse in Kurzform: Am vorletzten Spieltag der zurückliegenden Saison hatte der Nordberliner SC das Spiel gegen den SC Gatow aufgrund eines Radrennes am Elchdamm verlegt. Die Gatower monierten, über die Verlegung zu spät informiert worden zu sein. Das hätte gegen die Regularien des Berliner Fußballverbandes (BFV) verstoßen. Gatow trat unter Protest an und unterlag mit 0:6. Das Sportgericht gab dem Protest statt. Die Partie wurde mit 6:0 für Gatow gewertet. Und damit war der Nordberliner SC hinter den 1. FC Wilmersdorf auf Platz drei gerutscht und nicht mehr aufgestiegen. Doch das Verbandsgericht wiederum kippte dieses Urteil. Und eine Anhörung beim BFV vor 14 Tagen ergab schließlich: Die Heiligenseer steigen doch auf.

„Ich kann es nicht mehr hören, dass wir am Grünen Tisch aufgestiegen seien. Wir haben uns sportlich qualifiziert“, betonte Kraft. „Aber ich mache natürlich keinen Hehl daraus, dass es unsere jungen Spieler schon ein wenig belastet hat, auch wenn wir versucht haben, es von ihnen fern zu halten.“ Willi Both abschließend: „Wir wollen über das Ganze jetzt nicht mehr diskutieren. Lasst uns einfach nur Fußball spielen.“