Freier Journalist

Wenn der Direktor mit dem Azubi…

Betriebssportgruppe des Bezirksamtes wird 40 Jahre alt

 

Von Michael Nittel

Reinickendorf.  Mit einem großen Sommersportfest hat die Betriebssportgruppe (BSG) des Bezirksamtes Reinickendorf die Feierlichkeiten zu ihrem 40-jährigen Bestehen eingeläutet. „Wir sind wahnsinnig stolz darauf, dass es uns nun schon so lange gibt“, freute sich Werner Drews, seit 14 Jahren erster Vorsitzender der BSG. „Es macht eine Menge Spaß, für die Leute im Betrieb etwas zu tun. Und ein so langes Bestehen ist für eine  Betriebssportgruppe keine Selbstverständlichkeit.“

Im Jahr 1968 hatten sich eine Hand voll Mitarbeiter aus dem Bezirksamt zusammengefunden, um sich ab und an zum Fußball spielen zu treffen. Diese Gruppe gründete die BSG, die heute aus 19 Abteilungen besteht: diverse Ballsportarten wie Volley-, Faust- und Prellball werden ebenso angeboten wie Tennis, Schwimmen, Gymnastik, Bowling und einiges mehr. „Wir haben für einzelne Gruppen examinierte Übungsleiterinnen, die eine tolle Arbeit machen“, so Drews, der, selbst seit 28 Jahren Mitglied, früher die Kegelabteilung leitete und noch heute begeisterter Anhänger der Rückengymnastik ist. Zurzeit hat die BSG knapp 500 Mitglieder. „Damit sind wir immer noch die größte BSG im Bezirk.“ Rund 350 dieser Mitglieder sind im Bezirksamt beschäftigt – knapp 150 nicht. Drews erläuterte: „Wenn in der Vergangenheit Betriebe aus den unterschiedlichsten Gründen geschlossen wurden, sich die dortigen BSGs also auflösen mussten, sind deren Mitglieder teilweise oder auch geschlossen zu uns gewechselt.“

Drews betonte dabei aber, dass man den Sportvereinen keine Mitglieder wegnehme, da eine BSG unter anderem keine Jugendarbeit macht. „Wenn eine Familie also gemeinschaftlich oder die Kinder allein Sport treiben möchten, werden sie sich immer dem Verein anschließen.“

Die BSG kann zwar auch mit sportlichen Erfolgen aufwarten – so sind die Fußballer aktueller Berliner Meister. Doch wichtiger sei es, die Zusammengehörigkeit im Betrieb zu fördern: „Wo gibt es so etwas schon, dass der Direktor, der Abteilungsleiter und der Azubi gemeinsam etwas unternehmen? Bei uns in der BSG!“ Wenn man sich über den Sport besser kennenlerne, Kontakte intensiviere, Gemeinsamkeiten definiere, würde das die Arbeitsprozesse im Betrieb beschleunigen. „Und mal ganz nebenbei: Jeder Arbeitgeber ist doch froh, wenn sich seine Mitarbeiter fit halten. Und wenn das in der eigenen BSG passiert – umso besser.“

Die Betriebssportler des Bezirksamtes haben aber auch Sorgen: „Da es im öffentlichen Dienst keine Neueinstellungen mehr gibt, haben wir natürlich ein Nachwuchsproblem“, so Drews. In einigen Abteilungen liege der Altersdurchschnitt deshalb deutlich über 50 Jahre. „Wenn sich daran nicht etwas Grundlegendes ändert, ist unsere BSG im wahrsten Sinn des Wortes vom Aussterben bedroht“, befürchtet der 62-Jährige.

Und während die Betriebssportler auf dem Göschenplatz in Wittenau um die Wette kickten, sich einige Gründungsmitglieder über die alten Zeiten unterhielten und Sportstadtrat Frank Balzer (CDU), selbst auch mal Mitglied der Fußballabteilung, Pokale überreichte und Ehrungen vornahm, formulierte Werner Drews abschließend noch einen Wunsch: „Unsere gesamte BSG – jeder Einzelne – muss weiter aktiv bleiben, damit irgendwann nicht alles einschläft. Dann wird es uns hoffentlich noch sehr lange geben. Hoffentlich.“